Auf Solidarität ausgelegt

Erstellt am 16.02.2017

In Regionalversammlungen wird weiter über Zusammenschluss der Kirchenkreise diskutiert

Soest/Arnsberg. Der Prozess des Zusammenschlusses der beiden Kirchenkreise Soest und Arnsberg geht in seine (vor)entscheidende Phase. Aktuell wird das von einer Planungsgruppe erarbeitete Konzeptpapier in drei Regionalversammlungen diskutiert. Nach Meschede stand die Machbarkeitsstudie zuletzt in Geseke im Fokus. Eine letzte Regionalversammlung findet kommenden Mittwoch in Werl statt.

Die bisherigen Diskussionen zeigen, dass es eine grundsätzliche Bereitschaft zum Zusammenschluss gibt, dass es gleichzeitig aber auch noch viele Fragen und teilweise auch grundsätzliche Bedenken gibt.  Dieser Diskussionsprozess, so Superintendent Dieter Tometten, sei aber auch ausdrücklich gewünscht und gewollt. Schließlich sei sich die Planungsgruppe darüber im Klaren, dass ihre Vorschläge und Ideen durchaus noch an der ein oder anderen Stelle modifizierbar sein müssen.

Tometten: „Wir haben ja nicht für alle Bereiche Experten in der Gruppe. Deshalb gibt es diese Versammlungen und zusätzlich noch Hearings zu bestimmten Themen wie zum Beispiel Jugendkirche oder Kirchenmusik.“ Die dort gemachten Anregungen sollen in ein weiteres Papier einfließen, das dann der Sommersynode als Beschlussgrundlage dient.  „Es wird deutlich“, so Tometten,  „dass es noch viel wichtige Arbeit im Detail gibt.“

Und der Arnsberger Superintendent Alfred Hammer präzisierte: „Gerade bei dem Thema Jugendarbeit gibt es noch viele Fragen, um deren Antworten wir ringen müssen. Da sind auch die Gemeinden gefragt, uns zu helfen. Träumereien sind dabei ausdrücklich erlaubt.“

Weniger um Details als vielmehr „ums große Ganze“ ging es Pfarrer Sven Fröhlich aus Anröchte. Im dortigen Presbyterium sei man noch nicht wirklich davon überzeugt, dass die Zukunft beider Kirchenkreise  ausschließlich  im Zusammenschluss zu einer großen Einheit liege: „Wir glauben vielmehr, dass die kleineren, jetzt vorhandenen Einheiten  überschaubarer sind. Geht es denn nicht auch eine Ebene darunter?“

Vor allem die weiten Fahrten, die der Zusammenschluss mit sich bringen werde, schrecken nach seiner Einschätzung viele ehrenamtlich Tätige ab. Zudem könne man nicht ganz verstehen, warum die Vereinigung gerade jetzt erfolgen müsse.

Die weiten Wege, so Tometten, seien nicht wirklich das Problem. Schon jetzt seien Fahrtzeiten von dreißig oder fünfundvierzig Minuten im Kirchenkreis nicht ungewöhnlich. Daran werde auch der Zusammenschluss nur unwesentlich etwas ändern. Der Zeitpunkt sei aus verschiedenen Gründen gerade jetzt besonders günstig.

Tometten: „Jetzt haben wir noch Gestaltungsmöglichkeiten. Jetzt werden wir noch nicht von außen getrieben. Wir sollten nicht warten, bis es gar nicht mehr geht.“ Denn dieser Moment werde angesichts der zu erwartenden Entwicklung kommen. Dass die Zahl der Gemeindeglieder in jeder einzelnen Kirchengemeinde schrumpfe, sei ebenso Fakt, wie dass es immer schwieriger werde, Pfarrer für frei werdende Pfarrstellen zu finden.

Der Zusammenschluss der beiden Kirchenkreise und die Möglichkeit, dann in Regionen zu denken und zu arbeiten, setze viel Phantasie und Chancen frei, warb der Arnsberger Superintendent Alfred Hammer für den gemeinsamen Kirchenkreis: „Wir sollten nicht immer nur ängstlich auf die Risiken und Probleme schauen.“ Und Dr. Christian Welck, Mitglied der Planungsgruppe, ergänzte: „Daran muss man natürlich arbeiten. Das erfordert von uns allen Veränderungsbereitschaft.“

Tometten sieht zudem die Chance, durch den Zusammenschluss kleinerer Kirchengemeinden zu größeren Einheiten attraktive Pfarrstellen schaffen zu können: „Wir wollen richtig gute Pfarrerinnen und Pfarrer für unsere Region.“

Zumindest Pfarrer Wolfgang Jäger (Erwitte) bezweifelte, dass dies durch einen gemeinsamen Kirchenkreis gelingen wird „Die größere Fläche, die künftig zu betreuen ist, macht diese Pfarrstellen nicht attraktiver. Das Gegenteil ist eher der Fall. Ich betrachte das mit sehr viel Pessimismus und befürchte viele Ausfälle und große Vakanzen.“

Für Presbyterin Andrea Wiehen (Geseke) ist der Zusammenschluss vor allem eine Chance zur Zukunftssicherung: „Veränderung macht immer Angst. Und für manchen bedeutet das vielleicht auch: ,Raus aus der Komfortzone‘. Künftig ist offenbar vor allem Teamfähigkeit gefragt. Das ist nicht unbedingt die Stärke von Pfarrern. Ich glaube dennoch, dass das gut werden kann.“

Superintendent Tometten versprach, dass die Planungsgruppe alle Bedenken und Anregungen ernst nehmen werde. Bei dem gesamten Prozess solle es schließlich keine Verlierer geben: „Das komplette Programm ist auf Solidarität ausgelegt.“

Hans-Albert Limbrock