Deutliche Spuren hinterlassen: Die Lutherschen in Geseke

Erstellt am 03.08.2017

Am Sonntag, den 23. Juli fand im Rahmen der Festwoche zum Geseker Stadtjubiläum eine Messe in der Stadtkirche St. Petri statt. Pfarrerin Kristina Ziemssen hielt ein Grußwort, welches wir hier zum Nachlesen anbieten.


Eure Eminenz, lieber Bruder Kardinal Marx,
liebe Brüder Kollegen,
liebe Bürger und Bürgerinnen hier in der Stadtkirche St. Petri

Ich danke für die Möglichkeit, hier ein Grußwort für die Evangelische Kirchengemeinde in Geseke und auch für den Kirchenkreis Soest sprechen zu können. Superintendent Tometten bat mich, Glückwunsche zu diesem Stadtjubiläum mitzubringen.

Vielen scheint es so, als sei Geseke schon immer, quasi von Geburt an katholisch gewesen.  Beim Eintauchen in die Geschichte stoßen wir jedoch auf die Lutherschen, die in der Stadtgeschichte deutliche Spuren hinterlassen haben. Als Grenzstadt ist Geseke ein kleines Abbild für die große wechselvolle Geschichte des 16. Und 17. Jahrhunderts: mal evangelisch, dann wieder katholisch, hin und her.

Heute leben fast 3500 evangelische Bürgerinnen und Bürger in Geseke und bestimmen die Geschicke dieser Stadt mit. Ich habe vor anderthalb Jahren eine aufgeweckte, fröhliche Gemeinde vorgefunden. Ich freue mich, dass Ideen für die Zukunft reichlich vorhanden sind. Was wäre das auch für eine Kirchengemeinde, katholisch oder evangelisch, die sich zurücklehnte, die Arme verschränkte und den lieben Gott einen guten Mann sein ließe. Wir leben doch von Herausforderungen.

800 Jahre Geseke – das fällt zusammen mit 500 Jahre Reformation. Wir Evangelischen feiern dies nicht nur mit Pauken und Trompeten. Wir sehen das Jubiläum auch als Impuls, in Zukunft intensiver darauf zu achten, das Leben nach Gottes Willen verantwortlich zu gestalten. Es wäre schön, wenn das auch die innere Dynamik einer Stadt ausmacht: Für alle Bürgerinnen und Bürger das Beste zu suchen.

Die Evangelische Kirchengemeinde hat sich gefreut, dass die Stadt Geseke beschlossen hat, im Jahr 2017 eine Straße unweit des Bodelschwingh-Hauses „Martin-Luther-Weg“ zu nennen. Zusammen mit den Familien, die dort zur Zeit bauen und dem Bürgermeister hat das Presbyterium diese Straße vor vier Wochen zünftig eingeweiht.

Ich habe Ihnen, Eure Eminenz und dem Pastoralteam hier in Geseke je einen Playmobil-Luther mitgebracht. Als ich 2015 das erste Mal diese kleinen Spielfiguren sah, war ich erstaunt – Martin Luther als Playmobil-Figur ... ist das nicht despektierlich? Inzwischen mahnen mich diese Figuren, vieles leichter und spielerischer zu nehmen - auch im ökumenischen Miteinander. Nachdem wir uns zeitweise bis aufs Messer bekämpft und gegeneinander Kriege geführt haben, ist es an der Zeit, spielerischer miteinander umzugehen, mit mehr Leichtigkeit. Vielleicht würde es Martin Luther freuen, sich selbst als Spielfigur zu sehen, an der die Menschen zusammen finden, statt sich zu entzweien.

Fröhlicher könnte es zwischen uns zugehen. Vielleicht sollten wir öfter einmal ein Gläschen Wein aus dem Weinberg des Herrn zusammen trinken, anstatt den Graben immer wieder auszubaggern und auf Positionen zu beharren. Es kann natürlich auch ein Glas Bier sein. Ich habe für Sie, Eure Eminenz, als Gruß aus der Heimat eine Flasche Bier mitgebracht: „Herr Käthe-Bier“! Es wird zur Zeit in Lippstadt gebraut und erinnert an die bierbrauende Ehefrau Martin Luthers. Dazu ein Zitat Luthers: „Wenn ich hier sitze und mein Bier trinke, kommt das Reich Gottes von ganz alleine!“
Ich wünsche Ihnen und allen hier einen gesegneten Gottesdienst. Vielen Dank.

Pfarrerin Kristina Ziemssen